Jeremy Shaw | CATHARTIC ILLUSTRATION
KÖNIG GALERIE | Chapel | 28.4.–13.6.2021
JEREMY SHAW
CATHARTIC ILLUSTRATION

KÖNIG GALERIE | CHAPEL
April 28 – June 13, 2021

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KÖNIG GALERIE is excited to present CATHARTIC ILLUSTRATION, a solo exhibition with works by Jeremy Shaw in the chapel of ST: AGNES.

CATHARTIC ILLUSTRATION
presents a new body of silkscreen works by Jeremy Shaw. Using documentary images culled from newspaper archives, the subjects depicted in the prints appear to be experiencing an excessive spiritual, somatic or technological altered state of consciousness. They shake, quiver, spiral, strobe and stutter; the excessiveness of the effect is one of a vibration between the particular subject depicted and the generic subject of the camera’s gaze – a gaze that can no longer find sobriety. It’s unclear if the subjects are still alive, but they certainly haunt the present. The source photographs have been refracted in-camera through various effect lenses in the process of reshooting, skewing the subjects poses and proportions to illustrate a subjective experience upon which one can only speculate. Perhaps the distance produced by the artworks in time and space from the real human subjects depicted makes this the most effective way to photographically capture the state of catharsis.

There is an ambiguity between pleasure and horror when looking at the exploded figures. Rolled-back eyes reverberate in a feedback loop, mouths open ever wider to either ingest the world or eternally scream, arms extend freakishly upwards in a selfless act of praise or surrender to vicissitude. The viewer is immersed in a tripped-out portrait gallery that ranges in scale from the intimate, nearly life-sized to the shockingly monstrous.

The mediation of historical images by analog means (no digital manipulation or output) in the tactile medium of silkscreen further obscures their date of production in a manner akin to Shaw’s filmic works. He continues to tap into a lexicon of visual effects commonly used to illustrate psychedelic experience, spiritual ecstasy and hallucinatory madness (for subject represented and viewer alike). The parenthetical parts of the artworks’ titles (‘
Emotional Audience’, ‘Teen Challenge’, ‘Impassioned Sermon’) are taken from fragments of text found on the back side of the archival source photos – a corresponding newspaper clip or notes made by the original photographer themselves and offer little evidence as to the primary date and location; the images remain suspended in time.

Although created in a medium that is effective for wide distribution, the screen prints of
CATHARTIC ILLUSTRATIONn are produced as unique works of 1; could it be that these restless souls, whose only obstacle is never getting high enough, finally find a home in such an image and properly transcend to their desired utopias?

- Maxwell Stephens


Jeremy Shaw (1977 North Vancouver, Canada) works in a variety of media to explore altered states and the cultural and scientific practices that aspire to map transcendental experience. Often combining and amplifying strategies of verit
é filmmaking, conceptual art, music video and scientific research, he creates a post-documentary space that complicates expectations of the moving image as a form of testimony. Shaw has had solo exhibitions at Centre Pompidou, Paris, MoMA PS1, New York, Schinkel Pavillon, Berlin, and MOCA, Toronto, and been featured in international surveys such as the 57th Venice Biennale, and Manifesta 11, Zurich. In 2016 he was awarded the Sobey Art Award and in 2018 was artist-in-residence at the Hammer Museum, Los Angeles. Works by Shaw are held in public collections worldwide including the Museum of Modern Art, New York, Centre Pompidou, Paris, and Tate Modern, London.

JEREMY SHAW 
CATHARTIC ILLUSTRATION

ST. AGNES | CHAPEL
28. April – 13. Juni 2021

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Die KÖNIG GALERIE freut sich CATHARTIC ILLUSTRATION eine neue Ausstellung mit Werken von Jeremy Shaw, in der Chapel von ST. AGNES zu zeigen.

CATHARTIC ILLUSTRATION, so heißt eine neue Werkgruppe mit Siebdruckarbeiten in einzelner Auflage von Jeremy Shaw. Für diese Drucke verwendet der Künstler Dokumentationsmaterial – in Zeitungsarchiven gesammelte Bilder, in denen die abgebildeten Personen ekstatische spirituelle, leibliche oder durch Techniken herbeigeführte veränderte Bewusstseins-zustände zu erleben scheinen. Sie schütteln sich, zittern, winden sich, bewegen sich stroboskopartig und stotternd; das Maßlose, das sich vermittelt, rührt von der Schwingung zwischen dem individuellen Subjekt, das abgebildet wird, und dem generischen Subjekt, das im Kamerablick anwesend ist – ein Blick, der nicht mehr zum nüchternen Zustand zurück-findet. Ob die Personen im Bild noch leben, ist uns nicht bekannt, aber mit Sicherheit suchen sie die Gegenwart heim. Die Ausgangsfotos werden durch den Einsatz verschiedener Effektfilter und erneutes Auslösen fragmentiert, Haltung und Körperproportionen sind verzerrt wiedergegeben, um so eine subjektive Erfahrung abzubilden, über die wir nur Vermutungen anstellen können. Vielleicht ermöglicht es die zeitliche und räumliche Distanznahme vom realen menschlichen Individuum, die durch das Kunstwerk geschaffen wird, dass gerade so auf die eindrücklichste Weise der Zustand der Katharsis fotografisch eingefangen werden kann.

Bei der Betrachtung der geborstenen Gestalten stellt sich ein uneindeutiges Gefühl ein, das sich zwischen Behagen und Schrecken bewegt. Verdrehte Augen in einer Rückkopplungsschleife, Münder, die immer weiter aufgerissen werden, entweder um die Welt zu verschlingen oder einen Urschrei auszustoßen, Arme werden in selbstvergessener Lobpreisung oder in Hingabe an die Wechselfälle des Schicksals auf wunderliche Weise nach oben gestreckt. Der Betrachter taucht in eine bizarre Galerie von Porträts ein, die eine Bandbreite von fast lebensgroß und vertraut bis schockierend monströs aufspannt.
 
Die Vermittlung historischer Bilder auf analogem Wege (hier kommt keine digitale Bearbeitung und keine Digitalausgabe ins Spiel) über das haptische Medium des Siebdrucks verschleiert ihren Entstehungszeitpunkt noch mehr, ganz ähnlich wie Shaws filmische Arbeiten dies tun. Wieder erschließt er sich ein Lexikon visueller Effekte, die üblicherweise verwendet werden, um psychedelische Erfahrungen, spirituelle Ekstase und halluzinatorischen Wahnsinn (für das abgebildete Individuum und den Betrachter gleichermaßen) zu veranschaulichen. Die eingeklammerten Teile der Bildtitel (‘Emotional Audience’, ‘Teen Challenge’, ‘Impassioned Sermon’) stammen aus Textfragmenten, die auf der Rückseite des Ursprungsfotos aus dem Archiv gefunden wurden – eine entsprechende Zeitungsmeldung oder eine Notiz von den ursprünglichen Fotografen selbst –, und sind, was den Entstehungszeitpunkt und den Ort betrifft, nur wenig aufschluss-reich; die Bilder bleiben zeitlich in der Schwebe.
 
Obwohl sie als Bildmedium entstanden sind, das sich für eine weite Verbreitung eignet, sind diese Siebdrucke im wahrsten Sinne einzigartige Arbeiten, es sind Einzelstücke, in kostbaren, silbervergoldeten Rahmen mit quasi-religiösem Charakter platziert. Vielleicht finden die ruhelosen Seelen, denen es nie gelingt, sich ultimativ zu berauschen, ja letztlich in einem solchen Bild ein Zuhause und erreichen ihre Sehnsuchtswelt – über alle Begrenzungen hinaus? 

- Maxwell Stephens


Jeremy Shaw (*1977 North Vancouver, Kanada) arbeitet mit einer Vielzahl von Medien, um veränderte Bewusstseinszustände und die kulturellen und wissenschaftlichen Praktiken zu erforschen, die danach streben, transzendentale Erfahrungen abzubilden. Oft kombiniert und erweitert er Strategien des Cinéma vérité, der Konzeptkunst, des Musikvideos und der wissenschaftlichen Forschung und schafft so einen postdokumentarischen Raum, der die Erwartungen an das bewegte Bild als eine Form des Zeugnisses herausfordert. Shaw hatte Einzelausstellungen im Centre Pompidou, Paris, im MoMA PS1, New York, im Schinkel Pavillon, Berlin, und im MOCA, Toronto, und wurde in internationalen Ausstellun-gen wie der 57. Biennale von Venedig und der Manifesta 11, Zürich, gezeigt. 2016 wurde er mit dem Sobey Art Award ausgezeichnet und 2018 war er Artist-in-Residence im Hammer Museum, Los Angeles. Werke von Shaw befinden sich in öffentlichen Sammlungen weltweit, darunter das Museum of Modern Art, New York, das Centre Pompidou, Paris, und die Tate Modern, London.