Robert Janitz | ♥ is a typo
KÖNIG GALERIE | CHAPEL | 15.1.–16.2.2020

ROBERT JANITZ
<3 IS A TYPO
15 JANUARY – 16 FEBRUARY 2020
ST. AGNES | CHAPEL
OPENING: 14 JANUARY, 6 – 8 PM

KÖNIG GALERIE is pleased to announce <3 is a Typo, a site-specific installation of new paintings and sculptures by New York-based artist Robert Janitz. The exhibition will be held in the chapel of KÖNIG GALERIE.

One could describe the work of Robert Janitz as a study of the genealogy of labour. The artist applies paint as a worker would slather a tile with grout. Faced with such constraints, the bored worker may begin to articulate her trowel strokes while still covering the tile’s surface. As generations pass, the gene tires of coding simple protein structures in favour of ornate skeletons. The spreading of paint often takes on a bonelike form — an illustration, perhaps, of the ideal form that the gene pursues.

All of the compositions in <3 is a Typo indicate language: like the primordial bivalve, early written language consisted of various linear structures; as the language organism develops, it gains the curvature, density and asymmetry of a more advanced life-form. Janitz’ recent work is distinct in its implied morphemes: tilted strokes allude to the structure of either the Roman alphabet or Devanagari script—the alphasyllabary used in Sanskrit, of which Janitz is a scholar — but are muffled and garbled by the constraints of the canvas.

Much of Janitz’ newest work concerns what is lost in the creative process. Janitz cites Goethe’s close study of the Abhigyanshakuntalam by the Sanskrit poet Kalidas as a driving influence of the new paintings. Goethe could not read Sanskrit, and his devotion to Kalidas’ work depended entirely on translations of the arcane ancient language. Undoubtedly much of the original nuance of the work was lost as it entered the continental discourse, which only enhances its enigmatic qualities. Much too is lost in the making of Janitz’ paintings — the artist describes traveling forward and backward in time as he removes sections of the wet paint with a rubber spatula. Thus, the painting — as a document — is written, translated, and recoded.

One could imagine all eight paintings spelling out the word L O V E in an unfamiliar language. Using gradated grounds whose overpainted colours are sharply tuned, the message embedded in the composition — however distant — has its own harmony. Elevated above the viewer in this specific context, ecstacy is an intellectual touchstone. Thus, a purpose-built fountain gargles at the centre of the room like an oracle in an oasis. Like the glimmer of a mirage, the corus-cance of the fountain’s water is an illusion: a closer examination reveals a fountain wrought of simple sheet metal sprayed with a chrome coat — a recurring character in Janitz’ predominantly painterly oeuvre. A typo, or "Tippfehler" in German, is a message delivered but not intended. While Janitz’ recent work seems to imply the “<3” of its title, this too may have been distorted in translation.

ROBERT JANITZ
<3 IST EIN TIPPFEHLER
15.JANUAR – 16. FEBRUAR 2020
ST. AGNES | CHAPEL
ERÖFFNUNG: 14 JANUARY, 18 20 UHR

Mit <3 ist ein Tippfehler präsentiert die KÖNIG GALERIE eine ortsspezifische Installation mit neuen Bildern und Skulpturen des New Yorker Künstlers Robert Janitz. Die Ausstellung findet in der Chapel der KÖNIG GALERIE statt.

Man könnte die Arbeit von Robert Janitz als eine Studie der Genealogie der Arbeit bezeichnen. Der Künstler trägt Farbe so auf, wie eine Arbeiterin eine Fliese mit Fugenmörtel bestreichen würde. Angesichts solcher Zwänge könnte die gelangweilte Arbeiterin irgendwann damit beginnen, ihre Kellenstriche zu verfeinern, während sie nach wie vor die Oberfläche der Fliese bedeckt.
Im Laufe der Generationen gibt sich das für den Erbfaktor verantwortliche Gen nicht mehr damit zufrieden, einfache Proteinstrukturen zu kodieren, und produziert stattdessen kunstvolle Skelette. Das Auftragen der Farbe nimmt eine knochenähnliche Form an – vielleicht als Illustration der idealen Form, die das Gen verfolgt.

Alle Kompositionen in <3 ist ein Tippfehler weisen auf die Sprache hin: Einer Ur-Muschel gleich, bestand auch die frühe Schriftsprache lediglich aus einfachen linearen Strukturen, bis sie dann später, mit der Entwicklung des Sprachorganismus, die Krümmung, die Dichte  und die Asymmetrie einer fortgeschritteneren Lebensform hinzu gewinnt. Janitz’ jüngste Arbeiten zeichnen sich durch implizierte Morpheme aus: Geneigte Striche spielen auf die Struktur des lateinischen Alphabets oder der Devanagari-Schrift an – des im Sanskrit verwendeten Alphasyllabars, das Janitz studierte – sind aber durch die Beschränkungen der Leinwand gedämpft und entstellt.

Viele von Janitz’ neuesten Arbeiten beschäftigen sich mit dem, was im kreativen Prozess verloren geht. Als treibenden Einfluss der neuen Bilder nennt Janitz Goethes intensive Beschäftigung mit dem Abhigyanshakuntalam des Sanskrit-Dichters Kalidas. Da Goethe kein Sanskrit lesen konnte, hing seine Hingabe an Kalidas’ Werk ganz von Übersetzungen der geheimnisvollen alten Sprache ab. Zweifellos ging durch den Eintritt in den kontinentaleuropäischen Diskurs viel von der ursprünglichen Nuance des Werkes verloren, was seine Enigmatik aber nur noch verstärkte. Vieles geht auch bei Janitz’ Gemälden verloren. Indem er mit einem Gummispatel Teile der nassen Farbe wieder wegnimmt, beschreibt der Künstler eine Zeitreise vorwärts und rückwärts. So wird das Bild als Dokument geschrieben, übersetzt und wieder umgeschrieben.

Man könnte sich vorstellen, dass alle acht Bilder das Wort L I E B E in einer unbekannten Sprache buchstabieren. Mit abgestuften Grundierungen und farblich scharf abgestimmten scharf abgestimmten Übermalungen entwickelt die in die Komposition eingebettete Botschaft – so fern sie auch sein mag – ihre eigene Harmonie. Die Ekstase, die sich in diesem spezifischen Kontext über den Betrachter erhebt, wird zum intellektuellen Prüfstein. So gurgelt in der Mitte des Raumes ein eigens errichteter Brunnen wie ein Orakel in einer Oase. Wie der Schimmer einer Fata Morgana ist auch das Funkeln des Brunnenwassers eine Illusion: Bei näherer Betrachtung zeigt sich eine Anlage aus einfachem, mit einer Chromschicht beschichtetem Blech – ein wiederkehrender Topos in Janitz’ vorwiegend malerischem Werk. Ein Tippfehler ist eine Botschaft, die zwar übermittelt, aber nicht beabsichtigt wurde. Janitz’ jüngste Arbeiten scheinen das “<3” des Titels zu implizieren, aber auch dies mag in der Übersetzung verzerrt worden sein.