Julian Rosefeldt | DEEP GOLD
Sammlung Wemhöner, Berlin, Germany | 23.8.–25.9.2019

Der Schwarz-Weiß-Film „Deep Gold" ist eine Hommage an eine Szene aus Luis Buñuels surrealistischem Klassiker „L'Âge d'Or" (1930). Julian Rosefeldt versetzt das Geschehen in einen Nachtclub im Berlin der 1920er Jahre, in dessen großstädtischem Umfeld verschiedene Parallelwelten zusammenwirken.

Damit ist der Film eine Erweiterung dessen, was in der schonungslosen filmischen Gesellschafts- und Religionskritik des spanischen Surrealisten bereits anklingt: die Herausforderung einer repressiven Sexualmoral, die Auflösung der gegebenen Geschlechterordnung und der Appell an eine Emanzipation, die nie die Kraft der weiblichen Sexualität ausschließt. Rosefeldt zieht Parallelen zwischen der wirtschaftlichen Situation der 20er und heute.

Die filmischen Sprünge zwischen Zeiten und Räumen sagen immer auch etwas über menschliche Befindlichkeiten aus. Die Sehnsüchte der Menschen, die ihren festen Platz in den Hollywood-Kinos haben, übersetzt Rosefeldt in rezeptionsästhetische Kategorien der bildenden Kunst.

Dialogisiert wird der bereits einige Male in Berlin gezeigte Film Deep Gold nun erstmalig mit dem zweiten Teil der vierteiligen filmischen Hommage an Max Beckmann Meine Kunst kriegt hier zu fressen, die Julian Rosefeldt zusammen mit seinem ehemaligen Künstlerpartner Piero Steinle für die Pariser Beckmann - Retrospektive 2002 im Centre Pompidou entwickelte. Das Video zeigt eine Collage aus historischem Filmmaterial aus Revue-Theatern der 1920er Jahre. Leichtbekleidete Frauen reiten auf Karussell-Pferden oder führen barbusig akrobatische Kunststücke vor.

Das Zusammenspiel des Ausstellungsraumes - einem ehemaligen Festsaal - und den beiden Filmen Deep Gold und Meine Kunst kriegt hier zu fressen - Hommage an Max Beckmann zitiert eine legendäre Vergangenheit, jedoch nicht ohne Parallelen zur Gegenwart zu ziehen, indem etwa die kulturellen Folgen der sexuellen Revolution hinterfragt werden.