Rinus Van de Velde | I've lived for so many days now, ... | CHAPEL
König Galerie | 12.1.–24.2.2019

ENGLISH AND GERMAN VERSION AVAILABLE



RINUS VAN DE VELDE | I'VE LIVED FOR SO MANY DAYS NOW,...

12 JANUARY – 24 FEBRUARY 2018

ST. AGNES | CHAPEL

OPENING: 11 JANUARY, 6 – 9 PM


Rinus Van de Velde (Belgium, 1983) is mostly known for his large-scale charcoal drawings and is considered to be an influential artist within that medium. Drawing, with its connotations of speed, directness and world-making, is still the motor of his practice, but it has led him to make long and laborious detours through other media, such as installation, sculpture and video. His work gradually developed out of a need to create and control the photographic documents that have always served as a source material for his drawings. At first, these were existing documents, taken from magazines or archives. For years now, the artist has been producing his own sources, referring to and abstracting from the visual commonplaces and fetishes of contemporary art, cinema, commercial and documentary photography. For Van de Velde, the act of drawing is a never-ending production process, in which the imaginary at large is transformed into subjective images with a consistent visual language and narrative. At the center of this narrative, is the alter ego of the artist, who is very often working in enclosed, studio-like environments.


As an important part of his practice, Van de Velde builds life-sized decors in his studio, constructed from cardboard and wood. These decors present the artist with numerous possibilities of new narratives and imagery. His fictional and caricatural universe allows Van de Velde to cast himself in various roles and allows him to inhabit different personas, genres and art forms. Initially, the decors were built as a preliminary study for the drawings. They formed the setting for his narratives, which he himself and people from his immediate surroundings play out in his studio. By photographing the characters in the decors, Van de Velde creates an abstracted reality, a parallel universe where his imaginary storylines take place. Using these studio photographs as source material for his signature black and white charcoal drawings, the images get transformed once again, resulting in a reduced reality in greyscales.


At KÖNIG GALERIE, Van de Velde presents one of these decors as an installation in its own right: a set for a film he has been working on for two years and which will first be screened by the end of 2019. The décor is a central location in the film: a seemingly obsolete control room with electronic instruments, screens, buttons and handles, in which the artist-character oversees the actions of the other characters. Reminiscent of a trader’s room, or a villain’s head quarter in a James Bond movie, it is a place where information takes on the form of abstract patterns. 


Together with the installation, the artist shows four large drawings, depicting scenes that apparently have no link whatsoever with the décor. Nevertheless, they could be random images that have showed up on the monitors. The scenes, as always in Van de Velde’s work, are ‘subtitled’ with short narrative texts. These bleep-like fragments of a missing fiction are linked through the recurring use of an I-figur, presumably the artist, or his avatar, who is depicted smoking a trade-mark cigarette on a self-portrait. ‘In my basement’, one drawing says, ‘I control the outside world on my self-made computers. Causing stress and anxiety among the ones who don’t see the patterns.’ But ‘gaining here is losing there’, reads another drawing, which is a telling reprise of an older one: whatever structure the paranoid mind can come up with, is supplemented by what remains untouched. Get deeper into the drawing, and what remains is an abstract blur of charcoal versus the white of the canvas. It is this tension between showing and withholding, and between textual, graphic and sculptural regimes, that is the motor behind the paradoxical ‘total’ art of this installation.




Rinus Van de Velde was born in Leuven, Belgium in 1983. Solo shows include Now I am the night of nights, Kunstpalais Erlangen (2018); Rinus Van de Velde, Gemeentemuseum (2016); Donogoo Tonka, SMAK, Ghent (2016); Kunsthalle Sao Paolo (2015); and CAC Malaga (2013). Furthermore, Rinus Van de Velde took part in group exhibitions curated by the Hayward Gallery, UK (2018-2019); Kunstmuseum Luzern (2018); Kunstmuseum Gelsenkirchen (2018); and CAFA Art Museum Beijing, China (2014). KÖNIG GALERIE’s first solo show in 2017 The Colony will in part travel to the KWM Art Center Beijing in March 2019.





RINUS VAN DE VELDE | I’VE LIVED FOR SO MANY DAYS NOW,… 
12 JANUAR – 24 FEBRUAR 2019
ST. AGNES | CHAPEL
ERÖFFNUNG: 11 JANUAR, 18 – 21 Uhr

Rinus Van de Velde (Belgien, 1983) ist für seine großformatigen Kohlezeichnungen bekannt und ein einflussreicher Künstler dieses Mediums. Durch Geschwindigkeit, Direktheit und Fähigkeit zur Weltenerschaffung, ist Zeichnen nach wie vor der Motor seiner künstlerischen Praxis. Um ein Werk zu erschaffen, geht Van de Velde jedoch lange und aufwendige Umwege über andere Medien, darunter Installation, Skulptur und Video. Seine Arbeit entwickelte sich graduell aus einer Notwendigkeit heraus, fotografische Dokumente zu erschaffen und zu kontrollieren, die seit jeher als Quellenmaterialien für seine Zeichnungen dienen. Anfangs waren es noch bereits existierende Dokumente, entnommen aus Zeitschriften oder Archiven. Seit einigen Jahren produziert der Künstler nun seine eigenen Quellen, die Banalitäten und Fetische der zeitgenössischen Kunst, des Kinos sowie der kommerziellen und dokumentarischen Fotografie referieren und diese abstrahieren. Für Van de Velde ist der Akt des Zeichnens ein nie endender Produktionsprozess, in dem das Imaginäre als Ganzes in subjektive Bilder transformiert wird, die eine kohärente visuelle Sprache und Narration vereint. Im Zentrum dieses Narrativs steht das Alter Ego des Künstlers, das häufig in geschlossenen, studioähnlichen Umgebungen arbeitet.

Als wichtiger Teil seiner Arbeit baut Van de Velde in seinem Studio lebensgroße Dekors aus Pappe und Holz. Diese Dekors bieten dem Künstler zahlreiche Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Erzählungen und Bildsprache. Sein fiktionales und karikatives Universum erlaubt es Van de Velde, sich selbst in verschiedene Rollen zu casten und so ganz unterschiedliche Personen, Genres und Kunstformen zu bewohnen. Ursprünglich wurden die Dekors als Vorstudien für die Zeichnungen gebaut. Sie formten die Settings für seine Narrative, die er selbst mit Menschen seines näheren Umfelds im Studio entwickelt und ausspielt. Indem er die Charaktere in den Dekors fotografiert, kreiert Van de Velde eine abstrakte Realität, ein Paralleluniversum, in welchem seine imaginären Handlungsstränge stattfinden. Diese Studio-Fotografien nutzt er als Quellenmaterial für seine markanten schwarz-weißen Kohlezeichnungen, womit die Bilder erneut transformiert und schließlich zu einer reduzierten Realität in Graustufen werden.

In der KÖNIG GALERIE zeigt Van de Velde eines dieser Dekors als eigenständige Installation. Es ist ein Set für einen Film, an dem er seit zwei Jahren arbeitet und der Ende 2019 erstmals gezeigt wird. Das Dekor ist einer der zentralen Schauplätze des Films: Ein scheinbar veralteter Kontrollraum mit elektronischen Instrumenten, Bildschirmen, Knöpfen und Griffen, von wo aus der Künstler-Charakter die Handlungen der anderen Figuren überwacht. Erinnernd an den Handelsplatz der Börse oder das Hauptquartier des Bösewichts aus einem James Bond Film ist dies der Ort, an dem Informationen die Form von abstrakten Mustern annehmen.

Zusammen mit der Installation zeigt der Künstler vier großformatige Zeichnungen. Sie stellen Szenen dar, die auf den ersten Blick nichts mit dem Dekor direkt zu tun haben. Nichtsdestotrotz könnten sie als willkürliche Bilder auf einem der Monitore erschienen sein. Die Szenen sind – wie immer in Van de Veldes Arbeit – mit kurzen erzählenden Texten ‚untertitelt’. Diese aufblinkenden Fragmente einer fehlenden Fiktion sind durch das wiederholte Auftreten einer Ich-Figur, vermutlich dem Künstler oder seinem Avatar, miteinander verbunden. Auf einem Selbstporträt wird dieser dabei dargestellt, wie er eine Zigarette raucht. „In meinem Keller“, liest sich eine Zeichnung, „kontrolliere ich die Außenwelt auf meinen selbstgebauten Computern. Damit verursache ich Stress und Angst unter denen, die die Muster nicht sehen.“ Aber „hier gewinnen ist dort verlieren“, liest sich eine andere Zeichnung als aufschlussreiche Wiederaufnahme einer vorhergehenden: Welche Struktur der paranoide Verstand auch immer erdenkt, sie ist durch das ergänzt, was unberührt bleibt. Geht man tiefer in die Zeichnung, so ist das was bleibt ein abstrakter Kohlefleck gegen das Weiß der Leinwand. Genau diese Spannung zwischen dem Zeigen und Vorenthalten und zwischen textuellen, grafischen und skulpturalen Regimen ist der Motor hinter der paradoxen ‚totalen’ Kunst dieser Installation.



Rinus Van de Velde wurde 1983 in Leuven, Belgien, geboren. Seine Werke wurden unter anderem in folgenden Einzelausstellungen gezeigt: Now I am the night of nights, Kunstpalais Erlangen (2018); Rinus Van de Velde, Gemeentemuseum (2016); Donogoo Tonka, SMAK, Ghent (2016); Kunsthalle Sao Paolo (2015); und CAC Malaga (2013). Außerdem nahm Rinus Van de Velde an zahlreichen Gruppenausstellungen teil: z. B. in der Hayward Gallery, UK (2018-2019); im Kunstmuseum Luzern (2018); im Kunstmuseum Gelsenkirchen (2018); und im CAFA Art Museum Beijing, China (2014). Van de Veldes erste Einzelausstellung The Colony (2017) in der KÖNIG Galerie wird im März 2019 in Teilen im KWM Art Center Beijing gezeigt.