Katharina Grosse
KÖNIG GALERIE | CHAPEL | 18.8.–17.9.2017

KATHARINA GROSSE
ST. AGNES | CHAPEL
18 AUGUST - 17 SEPTEMBER 2017

 

OPENING 18 AUGUST, 6 - 9 PM



Die KÖNIG GALERIE freut sich, die zweite Ausstellung mit Katharina Grosse in ST AGNES zu präsentieren. Im Ausstellungsraum Chapel werden drei neue, großformatige Arbeiten gezeigt. Grosse, bekannt für ihre raumgreifenden Arbeiten, die sich oft im öffentlichen Raum manifestieren, führt hier eine neue Werkgruppe auf Leinwand ein.

 

 

Im Zusammenhang mit ihrem umfassenden Projekt, die Präsenz der Malerei, ihre Funktion und Materialität neu zu bestimmen, hat Katherina Grosse 1998 begonnen, Farbe auf Teile der Architektur einschließlich entsprechenden Einrichtungsgegenständen zu sprühen. Auf diese Weise hat sie den Farbauftrag vom konventionellen und vorherbestimmten Bildträger gelöst, Farbschleier über unterschiedliche Gegenstände hinweggezogen und identitätsbildende Grenzen der Dinge überspielt. Im Sinn einer Gegenbewegung gegen die frei bewegliche Malerei und die visuelle Auflösung von kategorialen Differenzen hat Grosse aber auch daran gearbeitet, die aufgesprühte Farbe an rechteckige Bildformate zurückzubinden.

 

Mit den drei ausgestellten Bildern aus dem laufenden Jahr führt Katharina Grosse einen neuen Typ von großformatiger, vielfarbiger Malerei auf Leinwand ein. Die malerische Geste schlägt sich in einem Bündel von diagonal geneigten, langgezogenen, doch unterschiedlich geformten Streifen nieder, die einander vielfach überlagert und abrupt nebeneinandergesetzt, scharf voneinander abgegrenzt oder undeutlich konturiert sind, manchmal einander verdecken und in anderen Fällen Transparenzen zulassen. Die Farben kontrastieren vehement und verbinden sich dabei in einer Tonalität, die eher die Palette des Herstellers spiegelt, als kompositionelle Entscheidungen der Malerin. Dem distanzierten, mechanisch angetriebenen Farbauftrag entspricht eine gewisse Indifferenz gegenüber chromatischer Subtilität; Spuren heruntergelaufener Farbe unterstreichen die pragmatische Seite von Grosses Malerei.

 

Die Größe der neuen Bilder, ihre Vielfarbigkeit und die Komplexität der malerischen Sedimentierung bei gleichzeitiger Tendenz zu einem einheitsbildenden Farb-/Formregister suggeriert malerische Überwältigung und entsprechende Immersion von Betrachterinnen und Betrachtern, Nähe zu einer Malerei des Sublimen. Dabei gibt es zwei Momente, welche die ästhetische Totalität der Bilder brechen. Einerseits sind, teilweise scharf begrenzt, unregelmäßig geformte Zonen der Malerei zu unterscheiden – wie Intarsien voneinander abgesetzte Territorien, die sich im Einzelnen durch Lage sowie farbliche und formale Disposition der malerischen Elemente voneinander unterscheiden, nicht aber durch den allgemeinen Charakter der Malerei. Technisch kommen diese Trennungen dadurch zustande, dass mehrere Schichten übereinander gemalt werden, dabei jedes Mal aber ein Teil der bereits gesprühten Fläche durch eine Schablone abgedeckt ist und daher nicht wieder verdeckt wird. So verweisen die Bruchlinien, die das bearbeitete Feld durchziehen, auf die entzogene Sichtbarkeit großer Teile der Malerei.

 

Dieser Aspekt des Fragmentarischen, der erst bei längerer Betrachtung hervortritt, die Anzeige unzugänglicher, aber doch vorhandener Teile, der Übergang vom Sichtbaren zum Unsichtbaren findet sein Echo im Verhältnis von Gemaltem und nicht Gemaltem. Die farbige Malerei reicht nicht überall bis an den Rand der Leinwand, sondern offensichtlich waren verschiedene Randstreifen während des gesamten Malvorganges abgedeckt und wurden erst zum Schluss freigelegt. Mit diesem Vorgehen unterstreicht Grosse eine besondere Definition des Bildfeldes: Die Leinwand verhält sich wie eine Projektionsfläche, auf der sich gesprühte Malerei niederschlägt, ohne jedoch grundsätzlich auf diese Fläche eingeschränkt oder verpflichtet zu sein – als gäbe es unsichtbar Malerei in unbegrenzter Ausdehnung, die sich in den Grenzen des Bildfeldes teilweise und vorübergehend manifestieren lässt.

 

Mit ihren Leinwandbildern beantwortet Grosse den eigenen hybriden Anspruch ihrer architektonischen Malerei, jeden Fleck mit Farbe zu berühren und die Grenzen der Dinge malerisch zu verwischen, durch das wiederum exzessiv vorgetragene Eingeständnis, nichts als Ausschnitte eines umfassenden Zusammenhanges zur Erscheinung zu bringen.

 

Text: Ulrich Loock

 

 

Katharina Grosse (geboren 1961 in Freiburg, Breisgau) lebt und arbeitet in Berlin. Zu ihren bekanntesten Einzelausstellungen in jüngerer Vergangenheit zählen jene im MoMA PS1, Long Island, Museum Frieder Burda, Baden-Baden, Nasher Sculpture Center, Dallas, Museum Kunstpalast, Düsseldorf, MASS MoCA, Massachusetts, Kunstmuseum Bonn, Palais de Tokyo, Paris. Außerdem nahm Grosse an den Biennalen von Sydney, Taipeh, New Orleans und 2015 in Venedig teil.

 

2003 wurde Grosse der Fred-Thieler-Preis, 2014 der Oskar-Schlemmer-Preis und 2015 der Otto-Ritschl-Kunstpreis verliehen.

Werke von Katharina Grosse befinden sich unter anderem in Museumssammlungen wie dem Nasher Sculpture Center, Dallas, dem Centre Pompidou, Paris, im Kunsthaus Zürich, im Kunstmuseum Bonn, in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, im Museu Serralves, Porto, im Sprengel Museum Hannover, im Arken Museum für moderne Kunst, Kopenhagen, in der Sammlung des De Pont Museums, Tilburg, der FNAC Sammlung, Frankreich, der Gallery of Modern Art, Queensland, und der Magasin 3 Stockholm Konsthall, Stockholm.

 

KATHARINA GROSSE
ST. AGNES | CHAPEL
18 AUGUST - 17 SEPTEMBER 2017

 

OPENING 18 AUGUST, 6 - 9 PM

 

 

The KÖNIG GALERIE, Berlin, takes great pleasure in presenting Katharina Grosse’s second exhibition on the ST. AGNES site. In the Chapel exhibition space, three new, large-format paintings are now on display. Grosse, who is renowned for her expansive, spatial works, often manifested in the public realm, here introduces and inaugurates a new group of works executed on canvas.

 

 

In 1998, in the overall context of her comprehensive project to re-define the presence of painting, its function and materiality, Katharina Grosse began to spray paint on parts of the surrounding architecture, including items of furniture and fitments. In this way, she released the application of colour from its conventional and pre-determined image-bearer, spreading veils of paint over a wide variety of objects and transgressing the identity-giving boundaries of things. In a counter-movement, however, directed against the free mobility of painting and the visual dissolution of categorical differences, Grosse also worked on bringing and binding the sprayed colour back to rectangular picture formats.

 

With the three pictures on exhibition here, all produced during the current year, Katharina Grosse now presents a new type of large-format, multi-coloured painting on canvas. The painterly gesture translates into a sheaf of diagonally inclined, longitudinally extended and yet variously shaped bands and striations of colour, diversely overlaid over one another and abruptly juxtaposed, sharply separated from one another or indistinctly contoured, at times concealing each other, in other cases allowing transparency. The colours contrast vehemently and yet combine to form a tonality that reflects more the manufacturer’s palette than the artist’s own compositional decisions. The distanced, mechanically driven application of colour is matched by a certain indifference to chromatic subtlety; traces of paint trickling down the canvas underscore the pragmatic side of Grosse’s art.

 

The sheer size of the new works, their polychrome plenitude of colour and the complexity of their painterly sedimentation coupled with the simultaneous tendency towards a unifying register of colours and forms suggest an overwhelming, engulfing artistic experience and a corresponding immersion of the beholder – akin to a painting of the sublime. Yet there are two aspects that break through and disturb the aesthetic totality of the pictures. On the one hand, the beholder can distinguish in part sharply delimited, irregularly formed zones of painting – territories that are separated inlay-like from one another and are differentiated in detail by the placing and the chromatic and formal disposition of the pictorial elements, but not by the general character of the painting. In terms of technique, these separations are brought about by several layers being painted over one another, each time part of the already sprayed area being covered by a template and so not being re-covered again. Thus the fault lines criss-crossing the worked-over area point to the revoked, rescinded visibility of large parts of the painting.

 

This aspect of fragmentariness, which becomes apparent only after prolonged study – the signposting of inaccessible and yet present parts, the transition from the visible to the invisible – finds an echo in the relationship between what has been painted and what has been left unpainted. The coloured painting does not everywhere reach the edge of the canvas: clearly, various peripheral strips were covered over throughout the painting process and were exposed only at the finish. By means of this procedure, Grosse emphasizes a special definition of the pictorial field: the canvas acts as a projection surface onto which the sprayed painting settles, without being necessarily restricted to, or obligated to, this surface – as if there were, in an invisible realm, a painting of unlimited expanse that partially and temporarily allows itself to be manifested within the boundaries of the pictorial field.

 

With these pictures on canvas, Grosse offers a response to the especial hybrid ambition of her architectural paintings – their wish to touch every nook and cranny with paint and to blur the boundaries between things – making the confession, again delivered in excess, that she cannot manifest anything other than excerpts of a comprehensive connectivity.

 

Text: Ulrich Loock

 

 

Katharina Grosse (b. 1961 in Freiburg im Breisgau, Germany) lives and works in Berlin. Among her best known solo exhibitions in the recent past have been those in the MoMA PS1, Long Island, in the Museum Frieder Burda, Baden-Baden, in the Nasher Sculpture Center, Dallas, in the Museum Kunstpalast, Düsseldorf, in MASS MoCA, Massachusetts, in the Kunstmuseum Bonn, and in the Palais de Tokyo, Paris. In addition, Grosse has taken part in the Biennales in Sydney, Taipeh and New Orleans and in 2015 in Venice.

 

In 2003 Grosse was awarded the Fred-Thieler-Preis, in 2014 the Oskar-Schlemmer-Preis and in 2015 the Otto-Ritschl-Kunstpreis.

Works by Katharina Grosse can be found in museum collections such as the Nasher Sculpture Center, Dallas, the Centre Pompidou, Paris, the Kunsthaus Zürich, the Kunstmuseum Bonn, the Städtische Galerie im Lenbachhaus, Munich, the Museu Serralves, Porto, the Sprengel Museum Hanover, the Arken Museum of Modern Art, Copenhagen, the De Pont Museum, Tilburg, the FNAC, France, the Gallery of Modern Art, Queensland, and the Magasin 3 Stockholm Konsthall, Stockholm.