Rinus Van de Velde | THE COLONY
König Galerie | 18.3.–23.4.2017
Rinus Van de Velde (b. 1983, lives and works in Antwerp) is a leading figure
on the Belgian contemporary art scene. His work revolves around the tension
between fiction and reality. For his first solo exhibition at König Galerie,
he will create a completely new site-specific installation composed of
several large drawings on paper set against painterly backdrops referencing
major twentieth-century painters.

Using a loose but virtuoso drawing style, he tells the second part of the
story of Isaac Weiss (the first part was shown earlier this year at the
Gemeentemuseum in The Hague), a fictive alter ego who runs an artists’
colony. The members of the colony are big-name artists of the twentieth
century including Cy Twombly, Joan Mitchell, and Pablo Picasso. In this
series, we watch as the formerly utopian project of the colony turns into a
full-fledged dictatorship and gradually falls apart.

Over the past several years, Van de Velde has developed a practice that
principally results in monumental narrative charcoal drawings. Behind it,
however, lies a much broader production of cardboard paintings referencing
art history or works produced by alter egos of the artist, among other
formats. Van de Velde combines found and staged photography, performances
without spectators, theatrical sets, cinematic narrative techniques,
installations, paintings, sculptures, and other media. All these elements
portray a thoroughly unreal world, while also documenting a very real working
process that takes place mainly in the studio.

In his drawings and the accompanying narrative writings, text and image
function as points of departure for a fictional biography in which Van de
Velde does not coincide with himself, instead testing the different
possibilities of modern and contemporary art. The result is a productive
doubling of his artistic persona: the “real” artist who works with welldefined
artistic and material parameters in his studio contrasts with an
alter ego who travels across all sorts of (artistic) positions without ever
fully identifying with them. Like mirror images without an original, both
artists produce each other. A similar tension obtains between the artist’s
workspace and the world of the drawings: on the one hand, the studio is the
actual laboratory where the possibilities the artist pursues are put to the
test; on the other hand, the fictional scenes in the drawings emphasize their
roots in studio experimentation.
Rinus Van de Velde (geb. 1983, lebt und arbeitet in Antwerpen) ist ein
führender Vertreter der zeitgenössischen Kunstszene in Belgien. Sein Werk
setzt sich mit der Spannung zwischen Fiktion und Realität auseinander. Für
seine erste Einzelausstellung in der KÖNIG GALERIE wird er eine vollständig
neue ortsspezifische Installation entwickeln, in der seine großformatigen
Zeichnungen auf Papier vor malerischen Hintergründen zu sehen sein werden,
die auf wichtige Werke der Kunst des 20. Jahrhunderts verweisen.

In einem lockeren, dabei überaus virtuosen Stil erzählt er den zweiten Teil
der Geschichte von Isaac Weiss (der erste Teil war gerade im Gemeentemuseum
in Den Haag zu sehen), einem fiktiven Alter Ego des Künstlers, der einer
Künstlerkolonie vorsteht. Mitglieder der Kolonie sind berühmte Künstler des
20. Jahrhunderts wie Cy Twombly, Joan Mitchell und Pablo Picasso. In der
neuen Serie lässt sich verfolgen, wie das einstmals utopische Projekt der
Kolonie in eine Diktatur ausartet und nach und nach zerfällt.

Über die letzten Jahre hat Van de Velde eine künstlerische Praxis entwickelt,
in der vor allem monumentale narrative Kohlezeichnungen entstehen. Ergänzt
werden diese jedoch durch eine Vielzahl von Arbeiten wie etwa gemalten
Kartonagen mit kunsthistorischen Bezügen sowie Werken seines künstlerischen
Alter Ego. Van de Veldes Werk verbindet gefundene wie auch gestellte
Fotografien mit Performances ohne Zuschauer, Bühnenbildern, Erzähltechniken
aus dem Kino, Installationen, Malerei, Skulptur und anderen Medien. All diese
Elemente zeichnen eine durch und durch unwirkliche Welt, zeugen jedoch
gleichzeitig auch von einem ganz realen Arbeitsprozess im Atelier.

In den Zeichnungen und den sie begleitenden Texten fungieren Bild und Wort
als Ausgangspunkte einer fiktiven Biographie, in der Van de Velde nicht er
selbst ist, sondern die verschiedenen Herangehensweisen der modernen und
zeitgenössischen Kunst austestet. Dies führt zu einer Verdopplung seiner
künstlerischen Persönlichkeit: Dem realen Künstler, der in seinem Atelier mit
sorgfältig gewählten künstlerischen und materiellen Parametern operiert,
steht ein Alter Ego gegenüber, das zwischen diversen Positionen hin- und
herwechselt, ohne sich jemals mit einer von ihnen ganz zu identifizieren.
Eine ähnliche Spannung lässt sich zwischen dem Arbeitsraum des Künstlers und
der Welt der Zeichnungen feststellen: Auf der einen Seite ist das Atelier das
Labor, in dem der Künstler die sich ihm bietenden Möglichkeiten auf die Probe
stellt; auf der anderen Seite unterstreichen die fiktiven Szenen in den
Zeichnungen ihren Ursprung in der experimentellen Arbeit im Atelier.