THREE POSITIONS. SIX DIRECTIONS. | CHAPTER I: THE BRUTALIST IDEAL | KÖNIG GALERIE | CHAPEL | 20.1.–12.2.2017
with Atelier Van Lieshout, Mathieu Bonardet, Alicja Kwade, Navid Nuur, Pieter Vermeersch, Franz Erhard Walther, Christoph Weber
As the title suggests, the very location of the exhibition is at the core of its theme: ST. AGNES both contains it and inspires it. A show in three parts presents both impressions from and reactions to the architecture, the history, and its current repurposing, as expressed through a changing group of works by artists ranging from historical to contemporary and emerging. A single work remains throughout the run of the three “chapters” over three months, Franz Erhard Walther’s Drei Standstellen. Sechs Richtungen (1977), serving as the constant pulse of the exhibition as the space of the gallery is reconfigured for each changing show.

 

Chapter I: The Brutalist Ideal

Atelier van Lieshout, Mathieu Bonardet, Navid Nuur, Pieter Vermeersch, Franz Erhard Walther, Christoph Weber

ST. AGNES is a prime example of Brutalist architecture. More than style or fashion, it was a mentality and even a philosophy that inspired the simplicity, physical and ethical gravity, and economy that the building embodies. It is with these same reductive ideas that the artworks presented here were born. With the dedication to a single material (i.e. Christoph Weber) or the focus on the simple-yet-complex relationship between the body, space and matter (i.e. Mathieu Bonardet) we sense a distillation to the essence in these works. And this efficiency is reflected as well in the ideas that come from Atelier van Lieshout’s Slave City series, extending these principles to a societal perspective.

Brutalism also embraced the power of the neutral space, envisioning an architectural ideal where buildings are efficient containers wherein human use activates and fulfils its potential. The sculptural interactive works of Franz Erhard Walther exemplify these ideas most forcefully and effectively, both as static elements and as activated performances. And towards its goal to neutralize space, the absence of decoration played an important role in the execution of these structures, and it becomes an interesting discourse as we determine whether the purpose of texture or pattern is necessity or decorative, and how we play a role in defining that (i.e. Navid Nuur, Pieter Vermeersch).

This show was created in collaboration with r/e projects. 

Wie der Titel andeutet, bildet der Ort der Ausstellung auch ihren thematischen Kern: ST. AGNES ist Inspirationsquelle und zugleich Schauraum. Die Ausstellung in drei Teilen zeigt Eindrücke der Architektur, ihrer Geschichte und Umwidmung zu einem neuen Zweck, sowie Reaktionen auf sie durch das Prisma wechselnder Arbeiten von älteren, zeitgenössischen und noch jungen Künstlern. Eine Arbeit bleibt dabei als Konstante in allen drei „Kapiteln“, die im Lauf von drei Monaten zu sehen sind, vor Ort: Franz Erhard Walthers Drei Standstellen. Sechs Richtungen (1977), die den Grundrhythmus der Ausstellung vorgibt, während der Galerieraum für jede Schau neu konfiguriert wird.

 

Chapter I: The Brutalist Ideal

Atelier van Lieshout, Mathieu Bonardet, Navid Nuur, Pieter Vermeersch, Franz Erhard Walther, Christoph Weber

ST. AGNES ist ein Musterbeispiel brutalistischer Architektur. Brutalismus war nicht nur ein Stil oder eine Mode, sondern eine Geisteshaltung, gar eine Philosophie, der sich die Einfachheit des Gebäudes, seine Ausstrahlung materieller und moralischer Strenge und Kargheit, verdankt. Demselben Gedanken der Reduktion sind die hier gezeigten Arbeiten verpflichtet. Indem sie das Augenmerk auf ein einziges Material (so bei Christoph Weber) oder das einfache und doch komplexe Verhältnis zwischen Körper, Raum und Materie (so bei Mathieu Bonardet) legen, lassen sie uns eine Konzentration auf das Wesentliche erahnen. Der sparsame Einsatz der Mittel spiegelt sich auch in den Ideen, die Atelier van Lieshout in der Serie Slave City umsetzen, wobei sie ähnliche Prinzipien in eine gesellschaftliche Perspektive übersetzen.

Ebenfalls kennzeichnend für den Brutalismus war die Macht des neutralen Raums: Das architektonische Ideal war ein Gebäude als rationelles Behältnis, dessen Potenzial die in ihm stattfindenden menschlichen Tätigkeiten aktivieren und erfüllen sollten. Am kraftvollsten und wirksamsten erscheinen diese Ideen in den interaktiven skulpturalen Arbeiten Franz Erhard Walthers, die zugleich statische Elemente und aktivierte Performances bilden. Mit Blick auf das Ziel des neutralisierten Raums spielte die Entfernung alles bloß Schmückenden eine wichtige Rolle bei der Ausgestaltung dieser Strukturen; hier entfaltet die Ausstellung einen interessanten Diskurs, in dem es darum geht, ob eine Textur oder ein Muster einer Notwendigkeit entspringt oder dekorativ ist, und darum, welche Rolle wir selbst bei der Bestimmung dieser Unterscheidung spielen (so bei Navid Nuur und Pieter Vermeersch).

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit r/e projects.