Andreas Schmitten | ANDREAS SCHMITTEN
König Galerie | 16.9.–23.10.2016
Opening: 

16 September 2016, 6 - 9 PM
BERLIN ART WEEK 2016

KÖNIG GALERIE
St. Agnes | Chapel
Alexandrinenstr. 118-121
10969 Berlin

Shopping windows steeped in aura, high-luster sculptures many meters high, mysterious settings – in his work, Andreas Schmitten engages in a play with the fetishized world of things. The tempting allure of an iridescent world is stripped of any functionality in Schmitten's work. The spectator is engaged in a process of immersive consumption. Drawn in by consciously implemented strategies of staging, he is ultimately confronted with a void and forced to rely on himself and his own perception.

The  larger-than-life sculptural installation “Prop No. 3,” gleaming in red and white, rises like an altar. Enclosed by a brightly illuminated encasing, it structures the room like a scenery that has yet to be defined. The basin-like shapes at the foot of the sculpture seem distorted, as if reflected in a fun-house mirror, making the work appear unreal and timeless. Difficult to grasp in its opulence and its high gloss material, it stages a space that leaves location, time and function undefined.

There are two figures in a glass cabinet. The object on the left gestures towards various possible means of utilization, ranging from stoup to urinal. The hinted-at, abstract head, directly connected to the pool construction, appears alienating. The head is turned towards a second object. This figure too is reduced to an abstract, geometric design vocabulary which rather veils than reveals meaning. The two objects are framed by a background that looks like a closed theater curtain and that negates any and all outlooks and contexts.

The mysterious figures and settings remind us of the known, yet resist direct associations and leave us with a feeling of fascination and distancing coolness. They cause confusion and visibility beyond the standard perspectives and consumption habits. Which mechanisms of perception are directly or subconsciously addressed and via which forms and structures are they made visible? The first luring appeal yields to the realization that it is still possible for art to not be oriented towards function, utility, worth or efficiency. Thus, the works on display repeatedly oscillate between engaging catharsis and Brechtian distancing effect. What is staged is the staging itself.

Text: Janine Blöß

Andreas Schmitten (b. Mönchengladbach, 1980) lives and works in Düsseldorf, where he graduated from the Kunstakademie in 2012 as a master student of Georg Herold. His works have been presented in solo exhibitions at Galerie Linn Lühn, Cologne (2014), Kunstsammlung NRW, Düsseldorf (2013) and Kunstmuseum Bonn (2012). Recent group exhibitions include Osthaus Museum, Hagen (2016), Museum Kunstpalast, Düsseldorf (2016) and Philara Sammlung zeitgenössischer Kunst, Düsseldorf (2016). Andreas Schmitten will present a solo exhibition at Museum Kurhaus Kleve early 2018.












Auratisierte Schaufenster, meterhohe Hochglanz-Skulpturen und verrätselte Settings – Andreas Schmitten greift in seinem Werk das Spiel mit der fetischisierten Dingwelt auf. Der verlockende Reiz einer schillernden Welt, hat sich in Schmittens Werk von jeglicher funktionalen Nutzung befreit. Der Betrachter gerät in einen Prozess des „immersiven Konsumierens“. Hineingezogen mit bewusst angelegten Inszenierungsstrategien wird er aber letztlich mit einer Leerstelle konfrontiert und auf sich selbst und seine Wahrnehmung zurückgeworfen.

Wie ein Altar erhebt sich die überlebensgroße, weiß-rot glänzende skulpturale Installation „Prop No. 3“. Umschlossen von einer hell erleuchteten Rückwand strukturiert sie den Raum wie ein noch näher zu definierendes Bühnenbild. Die beckenartigen Formen am Fuße der Skulptur wirken wie durch einen Zerrspiegel nach oben gezogen und lassen die Arbeit unwirklich und zeitlos erscheinen. Kaum greifbar in ihrer Opulenz und der Hochwertigkeit des Materials inszeniert sie einen Raum, der Ort, Zeit und Funktion offen lässt. 

In einer Vitrine befinden sich vordergründig zwei Figuren. Das linke Objekt verweist auf verschiedenste Nutzungsformen, deren Interpretationsmöglichkeiten von Weihwasserbecken bis Urinal reichen. Befremdlich wirkt der abstrakt angedeutete Kopf, der mit der Beckenkonstruktion unmittelbar verbunden ist. Der Kopf wendet sich einem zweiten Objekt zu. Auch diese Figur ist reduziert auf eine abstrakte, geometrische Formsprache, die eher Bedeutungen verschleiert als offenbart. Eingerahmt werden beide Objekte von einem Hintergrund, der sich wie ein geschlossener Bühnenvorhang aufbaut und jegliche Ausblicke und Kontexte negiert.

Die verrätselten Figuren und Settings erinnern zunächst an Gewohntes, weisen aber direkte Assoziationen ab und hinterlassen ein Gefühl von Faszination und abweisender Kühle. Sie sorgen für Irritationen und Sichtbarmachung jenseits der alltäglichen Seh- und Konsumgewohnheiten. Welche Mechanismen der Wahrnehmung werden gezielt oder unbewusst angesprochen und durch welche Formen und Strukturen werden sie sichtbar? Die erste verführerische Anziehung weicht der Erkenntnis, dass es der Kunst nach wie vor erlaubt ist, nicht nach Funktion, Nutzen, Wert oder Effizienz ausgerichtet zu sein. Die gezeigten Arbeiten changieren daher immer wieder zwischen einnehmender Katharsis und Brechtschem Verfremdungseffekt. Inszeniert wird die Inszenierung selbst.

Text: Janine Blöß

Andreas Schmitten (geb. Mönchengladbach, 1980) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er 2012 seinen Meisterschüler von Georg Herold erhielt. Im Rahmen von Einzelausstellungen wurden seine Arbeiten in der Galerie Linn Lühn, Köln (2014), in der Kunstsammlung NRW, Düsseldorf (2013) und im Kunstmuseum Bonn (2012) präsentiert. Zuletzt nahm er in Gruppenausstellungen im Osthaus Museum, Hagen (2016), im Museum Kunstpalast, Düsseldorf (2016) und in der Sammlung Philara, Düsseldorf (2016) teil. Andreas Schmitten wird Anfang 2018 eine Einzelausstellung im Museum Kurhaus Kleve präsentieren.