Kris Martin | KRIS MARTIN
König Galerie | 15.7.–11.9.2016
OPENING: 15 JULY 2016, 6 – 9 PM
ST. AGNES | CHAPEL

Press Release (EN)

Kris Martin’s sculptures, photographs, and installations reflect his preoccupation with the great themes of human existence and its contradictions. The oeuvre of the artist, who was born in Belgium in 1972, examines the passing of time from a variety of angles, often contrasting the distinctive pace of individual life with an abstract vision of global continuity.

Martin’s own life and experience are the ultimate source from which most of his equally poetic and symbolic images and objects flow. Yet his art retains an openness that appeals to the viewer and inspires personal reflections.

He often works with found materials, making minor alterations or additions to effect shifts of meaning, modifications that charge the objects with narrative as well as metaphorical potential. “Ad Valvas,” for example, consists of a bronze cast of a notice board once situated outside a church. Here, however, it is empty; the object’s uselessness is emphasized by its transformation into a precious material. A symbol of communication (“Ad Valvas” meaning “on the notice board”) is recast as an emblem of silence, though the object remains profoundly ambivalent.

The conceptual rigor of creations such as “Ad Valvas” is crucial to the quietly haunting quality of Kris Martin’s work, which leaves a powerful and lasting impression on the viewer.A similar effect is palpable in “One Year,” for which the artist blended over a hundred individual shots of burning candles taken over the course of a year into a single photographic image: the superimposition of picture upon picture has eventually blurred the motif beyond recognition, resulting in an apparition of pure light. The work elevates the associations of mortality and evanescence prompted by the candle, a traditional memento mori, to an abstract dimension.

Where “One Year” thus gestures toward a realm beyond human imagination, “Cross” spotlights a much more earthly concern. Martin cut ordinary crossword puzzles out of newspapers but forwent the clues to be solved and instead entered the one answer that, to his mind, always fits: he filled the rows and columns with repetitions of a single unchanging word in black pen—“Idiot,” an allusion to the novel by Fyodor Dostoevsky. Strikingly simple and highly complex at the same time, the piece reprises the prominent “Idiot” series Martin began in 2005, in which he offered humorous reflections on the artist’s role in society and, by extension, a speculative meditation on the fundamental questions of human existence.


Kris Martin (*1972, Kortrijk) lives and works in Mullem, Belgium. He belongs to the most important representatives of contemporaryconceptual art from Belgium and has recently been included in exhibitions at Kunstmuseum Bonn, DE (2016), Bass Museum of Art, US (2015) and the Louvre, FR (2015). His works have been presented in solo exhibitions at Fürstenberg Zeitgenössisch, Donaueschingen, DE (2015), Sammlung Philara e.V., Düsseldorf, DE (2014), and Kunstraum Innsbruck, Innsbruck, DE (2014).  Kris Martin is represented in international collections worldwide, including the MCA in Chicago, the Walker Art Center in Minneapolis, and K21 in Düsseldorf.



Pressemitteilung (DE)

Die Skulpturen, Fotografien und Installationen von Kris Martin reflektieren die Beschäftigung mit den großen Themen der menschlichen Existenz sowie deren Widersprüchlichkeiten. Auf vielfältige Weise thematisiert der 1972 geborene Künstler das Vergehen von Zeit, wobei er immer wieder dem individuellen Tempo ein abstrakt globales Kontinuum gegenüberstellt.

Martins eigenes Leben und Erleben bildet zumeist den Ausgangspunkt für die gleichermaßen poetischen wie symbolhaften Bilder und Objekte. Dabei bewahrt der belgische Künstler in seinen Werken eine Offenheit, die den Betrachter anspricht und bei ihm individuelle Reflexionen in Gang setzt.

Als Grundlage der Arbeiten fungieren mehrheitlich vorgefundene Materialien, an denen er kleine Veränderungen oder Ergänzungen vornimmt. Diese Modifikationen bedingen Bedeutungsverschiebungen, mit denen sich narratives wie auch metaphorisches Potential verbindet. So besteht etwa „Ad Valvas“  aus einem Bronzeabguss eines gefundenen schwarzen Brettes, welches sich außerhalb einer Kirche befand. Hier ist es komplett ungeschützt. Durch die Umwandlung in ein kostbares Material wird die Nutzlosigkeit dieses Objekts verdeutlicht. Ein Symbol der Kommunikation („Ad Valvas“ bedeutet übersetzt „am schwarzen Brett“) ist als Emblem der Stille neu gefasst, obwohl die doppelte Lesbarkeit bestehen bleibt. 

Gerade die  konzeptionelle Stringenz solcher Schöpfungen wie „Ad Valvas“  hat einen nicht unwesentlichen Anteil an der eindringlichen Kraft der Werke von Kris Martin, die sich beim Rezipienten nachhaltig ins Gedächtnis einschreibt. Diese Wirkung lässt sich auch bei der Arbeit „One Year“ nachvollziehen, für die der Künstler weit mehr als hundert über einen Zeitraum von einem Jahr entstandene Einzelaufnahmen von brennenden Kerzen zu einem fotografischen Werk verquickte: Bild um Bild überlagern sich hierbei bis das Motiv nicht mehr ersichtlich ist und die Arbeit nur noch einer Lichterscheinung gleicht. Der Aspekt der Vergänglichkeit und des Verschwindens, der sich mit der Kerze im Sinne eines Memento mori verbindet, wird in dem Werk in abstrakte Dimensionen gesteigert.

Verweist „One Year“ somit auf Aspekte, die jenseits der menschlichen Vorstellung liegen, hat die Arbeit „Cross“ einen deutlich irdischeren Bezugspunkt. Für dieses Werk hat Martin gewöhnliche Kreuzworträtsel aus Zeitungen ausgeschnitten, wobei er auf die zu beantwortenden Lösungshinweise verzichtete, um die aus seiner Perspektive immer passende Antwort in die Felder einzutragen. So hat Martin mit einem schwarzen Stift immer und immer wieder das Wort „Idiot“ in den Zeilen und Spalten verzeichnet, was auf den gleichnamigen Roman von Fjodor Dostojewski anspielt. Die ausgesprochen simple, aber hoch komplexe Arbeit steht in Beziehung zu der prominenten „Idiot“-Serie, die Martin 2005 begann und mit der er eine humorvolle Reflexion über die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft lieferte, die im weiteren Sinne als allgemeines Gedankenspiel über die existentiellen Fragen des menschlichen Daseins gelesen werden kann.  


Kris Martin (*1972, Kortrijk) lebt und arbeitet in Mullem, Belgien. Er gehört zu den wichtigsten Vertretern der zeitgenössischen Konzeptkunst aus Belgien und nahm zuletzt teil an Gruppenausstellungen im Kunstmuseum Bonn, DE (2016), Bass Museum of Art, US (2015) und dem Louvre, FR (2015). Im Rahmen von Einzelausstellungen wurden seine Arbeiten im internationalen Institutionen präsentiert, darunter Fürstenberg Zeitgenössisch, Donaueschingen, DE (2015), Sammlung Philara e.V., Düsseldorf, DE (2014), und Kunstraum Innsbruck, Innsbruck, DE (2014). Kris Martin ist in den Sammlungen des MCA in Chicago, des Walker Art Center in Minneapolis, und der K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, DE vertreten.