Pawel Althamer | Abstrakter Expressionismus in der zeitgenössischen figurativen Skulptur
KÖNIG GALERIE | Rosa-Luxemburg-Platz | 31.3.–5.6.2004
Press Release:

Pawel Althamer, Raphael Danke, Eva Grubinger, James Hopkins, Alexej Koschkarow, Lin May,Claes Oldenburg, Dank Perjovschi, Nada Sebestyén, Florian Slotawa, Tommy Stockel, Geerten Verheus, Andreas Zybach

31. März – 15. Mai 2004

Die laufende Ausstellung "Abstrakter Expressionismus in der zeitgenössischenfigurativen Skulptur" präsentiert Wandmalereien von Dan Perjovschi (1961) neben zeitgenössische Skulpturen. Im Wortspiel des Titels wird bereits auf die vermeintliche Unvereinbarkeit unterschiedlicher künstlerischer Methoden und Ziele hingewiesen.

Die Wandzeichnungen des rumänischen Künstlers sind unter anderem durch die letzte Ausstellung in der Kokerei Zeche Zollverein, Essen bekannt geworden. Hier in Berlin sind seine ironischen, teilweise zynischen Kommentare zu Tagespolitik und Kunstsystem zum ersten Mal in einem Galeriekontext zu sehen. Sie entsprechen auch hier einer groß aufgeblasenen Comic-Skizzenblockseite, die sich auf die gesamte vorhandene Wandfläche ausdehnt. Im Raum selber sind 12 einzelne Skulpturen von 12 Künstlern ausgestellt.

Die Ambivalenz der Präsentation zwischen hier so zu bezeichnender institutioneller Kritik auf der Wand und klassischer Präsentation im Raum entsteht aus der Konfrontation zweier Methoden. Die eine Methode entzieht sich dem Werkgedanken im Sinne eines transportablen Objektes und stellt anstatt dessen die Wandfläche als Grenze und gleichzeitig bauliche Definition (und Legitimation der künstlerischen Produktion) des Ausstellungsraumes in den Mittelpunkt. Die andere Methode ist die skulpturale Produktion, eine auf Objekthaftigkeit und Materialität konzentrierte klassische künstlerische Methode. Das Moment, welches sowohl Dan PerjovschisPosition als auch die bildhauerischen Positionen der Ausstellung vereint, ist das der Figuration, mit der sowohl auf der Wand als auch im Raum gearbeitet wird.

James Hopkins geht es um Wahrnehmungsverzögerung durch optische Manipulation am Objekt. Seine blaue Gitarre – „Blue Thunder“ (2003) - sieht auf den ersten Blick aus wie ein Computer generiertes Trompe l´oeil. Ähnlich spielerisch mit dem Skulpturbegriff gehen die Objekte von Tommy Stockel und Claes Oldenburg um.„Voyager“ (2001) von Stockel ist eine aus blauen Styroporkugeln montierte Darstellung des gleichnamigen verloren gegangenen Satelliten. Claes Oldenburgs „Soft inverted Q“ (1972) dagegen ist ein ähnlich absurd erscheinender Gummi-Prototyp für eine nie realisierte Monumental-Plastik. Die tatsächliche Perfektion von Form steht bei Alexej Koschkarow („Lachende Creole“, 2004), Schüler von Katharina Fritsch, im Vordergrund. Hier wird die Realität Ausgangspunkt der Skulptur. Seine Urne erscheint perfekter als jedes wirkliche Gebrauchsgefäß und ist dennoch nicht benutzbar. Ähnlich realistisch ist Eva Grubingers „Tank Trap I“, die Darstellung einer Panzersperre, die im Zusammenhang ihrer Dark Matter Serie Macht- undKriegssymbolik assoziiert.

Die Skulptur von Andreas Zybach, ein Künstler der Galerie, gleicht einer verworfenen"Idee" (ohne Titel, 2000) - ein aus MDF nachgebildetes sehr großes zusammengeknülltes Stück Papier. Ganz anderes in der Form und Idee aber aus ebenso profanem Material – auch Styropor – ist die Arbeit „Flächenland“ (2002/2003)von Lin May. Der Ast mit kleinen Tierformationen nimmt Bezug auf einen gleichnamigen Sience Fiction Roman des 19. Jahrhunderts. Ebenfalls literarischmotiviert ist "Oblomov" (1991) von Nada Sebestyén. Die Künstlerin, die bei der Berlin Biennale vertreten ist, hat eine Art Portrait der immer müden russischen Romanfigur gezeichnet: Ein sitzendes Objekt aus Stoff, das im jeweiligen Ausstellungsraum auf dem vorhandene Mobiliar platz nimmt. Hier ist es ein Bürostuhl der Galerie.

Raphael Danke hat ein Muskelmodell seines Bildhauer-Großvaters mit weiblichen Körperteilen in Anlehnung an Hans Bellmers Arbeiten überformt („Muskelmann“,2004). Damit vergleichbar ist die Arbeit „Kazio“ (2002) des polnischen Künstlers Pawel Althamer. Sein Beitrag ist ein Miniaturportrait seines ehemaligen Bildhauerlehrers als Puppe. Ganz anders in der Materialästhetik aber mit sehr ähnlichem Humor präsentiert Geerten Verheus ein Objekt, welches sich vermutbarer Funktionalität verweigert: Ein Ventilator mit schlapp herunter hängenden Gummiblättern („Dogday“, 2003). Der Readymade-Charakter seines Objekts findet sich auch in der Skulptur von Florian Slotawa, der diverse kleine Haushaltgegenstände zur einer unerklärlichen Figuration aufeinander getürmt hat („Produktausgleich“ 2002).