Alicja Kwade | phase
KÖNIG GALERIE | CHAPEL | 29.10.–26.11.2017
ALICJA KWADE | PHASE
29 OCTOBER – 26 NOVEMBER 2017
KÖNIG GALERIE | CHAPEL
OPENING: SATURDAY, 28 OCTOBER, 7 – 9 PM

KÖNIG GALERIE is pleased to present Alicja Kwade’s latest sound installation in the solo show PHASE at St Agnes.
 
At the centre of the chapel, twelve speakers surround a brass ring lying on the ground. The static installation “NachBild” (after image) (2017) is animated solely by the sound; a 2:02 minute-long, twelve-channel piece that plays over and over again. A clear metallic chink rings out, getting faster and faster, before ending in a crescendo of full, deep and prolonged notes. Especially in the former church space, the sound recalls the chiming of bells, but the mass played here is not the traditional one. It reflects recurring themes in the artist’s work: analysing, measuring and making visible abstract laws and units such as time and space.

The twelve speakers already suggest this, arranged in circular fashion and at equal distance from one another like the face of a clock. Their concentric arrangement draws the eye to the brass ring, the protagonist of the installation “NachBild”. The title can be interpreted literally: what you see is the result of something that has already happened, revealed only by the sound. Encircled by twelve microphones, placed exactly where the speakers are now, Kwade let the brass ring spin on its own axis until, after repeatedly resisting the pull of gravity, it finally came to a standstill after exactly 2:02 minutes. Together, the twelve different sound tracks reproduce the physical experience of that circular movement and record it as an acoustic image.
 
“NachBild” shows how easily human perception is deceived. Contrary to what the title might suggest, what is alluded to here is not the after image produced by light hitting the retina, but the different speeds at which light and sound waves travel – most obvious in nature as thunder and lightning. Whilst lightning can be seen almost immediately, there’s a time lag before the thunder is heard. In “NachBild”, Kwade extracts the thunder that rolls through the chapel in St Agnes as a trace and record of the occurrence. The lightning, however, remains unseen.
 
This installation seamlessly ties into the “time-state-sculptures” series that Kwade has been developing since 2009. Here, too, Kwade made a stainless steel ring spin like a top on a screened floor. Here, the different stages of its trajectory weren’t recorded by microphones, but by five cameras. The film stills allowed the artist to reproduce the position of the ring at different moments. Each individual sculpture was composed of multiple snapshots from an act that lasted a total of 88 seconds.
 
Yet, Kwade does not only explore how movement is perceived in time and space in detailed and concrete terms, but also on a larger scale. The emblematic circular form, reminiscent of planets and their orbits and standing for terms like infinity, already alludes to the higher, cosmic relations that play a significant role in her work. The installation “Nach Osten” (2011/2013) with which KÖNIG GALERIE opened its doors to the public at St Agnes in 2013 approaches these dimensions. The artist let a lightbulb swing through the nave of the church at the end of a 14-metre cable. A microphone was attached to the light so that the pendulum's progression was emphasised by a loud hissing sound. The lightbulb swung through the dark room like a comet, tracing the rotation of the earth like a Foucauldian pendulum.
 
Finally, both “NachBild” and “Nach Osten” reference St Agnes’ former function as a sacred space, demonstrating how sciences like physics and astronomy can encounter religion at very close quarters. They share a common aim, one that Alicja Kwade also pursues in her work: to understand the world.

Text: Lydia Korndörfer

Alicja Kwade lives and works in Berlin. Her works have been shown in many international solo exhibitions, biennials and group shows including in 2017 the 57th Venice Biennial, Venice, Italy; Deutschland 8 – German Art in Beijing, Beijing, China; the ARoS Museum, Aarhus, Denmark; the Blickachsen 11, Bad Homburg and Frankfurt am Main and in 2016 the Kochi-Muziris Biennial, Kochi, India. In 2017, the artist had solo exhibitions at the Eli and Edythe Broad Art Museum, MI, USA and the Museum Frieder Burda – Salon Berlin; in 2016 at Whitechapel Gallery, London and at the De Appel Arts Centre, Amsterdam, in 2015 at Haus am Waldsee, Berlin, Kunsthalle Nürnberg, Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main and on being awarded the Hector Prize 2015 at the Kunsthalle Mannhein.
Her works can be found in many private and public collections worldwide.
ALICJA KWADE | PHASE
29. OKTOBER – 26. NOVEMBER 2017
KÖNIG GALERIE | CHAPEL
ERÖFFNUNG: 28. OKTOBER, 19 - 21 UHR

Die KÖNIG GALERIE freut sich mit der Einzelausstellung „PHASE“ die neueste Soundinstallation von Alicja Kwade in St. Agnes zu präsentieren.

Im Zentrum der Kapelle sind zwölf Lautsprecher aufgestellt, die einen am Boden ruhenden Messingring einkreisen. Die statische Installation „NachBild“(2017) wird allein durch den Sound, der aus schwarzen Boxen dringt, belebt. Wieder und wieder ertönt das 2:02 Minuten lange, zwölfkanalige Stück: Ein helles, feines und metallenes Klirren ertönt, das sich immer hastiger überschlägt und rasch zu vollen, dunklen und gezogenen Klängen steigert. Gerade im Kontext des ehemaligen Kirchenraums erinnert es an Glockenspiel, doch die Messe, die hier eingeläutet wird, ist keine übliche und gilt rekurrierenden Themen im Werk der Künstlerin: dem Erfassen, Messen und Sichtbarmachen von abstrakten Gesetzmäßigkeiten und Maßeinheiten wie Zeit und Raum.

Einen Hinweis geben bereits die zwölf Lautsprecher, die gemäß den Zifferblättern einer Uhr kreisförmig und in gleichmäßigen Abständen angeordnet sind. Ihre konzentrische Ausrichtung lenkt den Blick auf den Messingring, den Protagonisten der Installation „NachBild“. Der Titel lässt sich dabei wörtlich verstehen: Zu sehen ist das Bild, das sich nach einer vorangegangenen Aktion ergeben hat, von der allein der Sound zeugt. Umringt von zwölf Mikrofonen, die an exakt der gleichen Position wie die Lautsprecher aufgestellt waren, ließ Kwade den Messingring um seine eigene Achse kreisen bis seine Bewegung nach genau 2:02 Minuten, nach wiederholtem Aufbäumen gegen die Schwerkraft zum Erliegen kam. Zusammen geben die zwölf verschiedenen Tonspuren die physische Erfahrung der kreisförmigen Bewegung wieder und halten sie als akustisches Bild fest. „NachBild“ zeugt von der menschlichen Wahrnehmung und ihrer Anfälligkeit für Täuschungen. Anders, als es der Titel vermuten lässt, kommt jedoch nicht das durch Blendung erzeugte Nachbild auf der Netzhaut, als vielmehr die enorm unterschiedliche Geschwindigkeit von Licht- und Schallwellen zum Tragen. In der Natur manifestiert sich diese Diskrepanz am deutlichsten in der Beobachtung von Blitz und Donner. Während der Blitz beinahe simultan zu seinem Erscheinen gesehen werden kann, wird der Donner nur mit Verzögerung vernommen.

Mit „NachBild“ extrahiert Kwade den Donner, der in St. Agnes als Spur und Aufzeichnung des Geschehenen durch die Kapelle grollt. Der Blitz bleibt uns vorenthalten. Die Installation knüpft nahtlos an eine Werkgruppe der Künstlerin, die„time – state – sculptures“ an, die Kwade seit 2009 entwickelt. Auch hier wurde ein Edelstahlring wie ein Kreisel auf gerastertem Boden zum Drehen gebracht. Die verschiedenen Stadien seiner Choreographie wurden jedoch nicht durch Tonaufnahmen, sondern mit fünf Kameras fixiert. Filmstills erlauben es schließlich, die Position des Ringes zu verschiedenen Zeitpunkten zu bestimmen.Die einzelnen Skulpturen setzten sich jeweils aus mehreren Momentaufnahmen der insgesamt 88 Sekunden andauernden Aktion zusammen. Kwade geht der Wahrnehmung von Bewegung in Raum und Zeit jedoch nicht nur im Kleinen und Konkreten, sondern auch im großen Maßstab nach. Die symbolträchtige Form des Kreises, die formal an Planten und ihre Umlaufbahnen erinnert und für Begriffe wie Unendlichkeit steht, deutet bereits auf die übergeordneten und kosmischen Zusammenhänge hin, die immer wieder von Bedeutung für ihr Schaffen sind. Eine Annäherung an diese Dimensionen stellt beispielsweise die Installation „Nach Osten“ (2011/2013) dar, mit der die KÖNIG GALERIE 2013 die Einweihung ihrer Räumlichkeiten in St. Agnes feierte. Die Künstlerin ließ eine Glühbirne am Ende eines 14 Meter langen Kabels durch das noch nicht unterteilte Kirchenschiff schwingen. Die Leuchte war mit einem Mikrofon versehen, das den Lauf des Pendels zu einem gewaltigen Zischen verstärkte. Die Glühbirne schwang wie ein Komet durch den dunklen Raum und zeichnete – in Anlehnung an das Foucaultsche Pendel – die Rotation der Erde nach. Sowohl „NachBild“ als auch „Nach Osten“ nehmen schließlich auf die ehemalige Funktion von St. Agnes als Sakralraum Bezug und führen vor Augen, dass Wissenschaften wie Physik und Astronomie auf engstem Raum der Religion begegnen können. Gemeinsam ist ihnen ein Bestreben, das auch Alicja Kwade in ihren Arbeiten verfolgt: Die Welt zu verstehen.

Text: Lydia Korndörfer

Alicja Kwade lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Einzelausstellungen, Biennalen und Gruppenausstellungen gezeigt, wie u.a. 2017 bei der 57. Biennale di Venezia, Venedig, Italien, bei Deutschland 8 - German Art in Beijing, Peking, China, im ARoS Art Museum, Aarhus, Dänemark, bei Blickachsen 11, Bad Homburg und Frankfurt/M., sowie 2016 bei der Kochi-Muziris Biennale, Kochi, Indien. Einzelausstellungen wurden der Künstlerin 2017 im Eli and Edythe Broad Art Museum, MI, USA, im Museum FriederBurda – Salon Berlin, 2016 in der Whitechapel Gallery, London sowie im De AppelArts Centre, Amsterdam, 2015 im Haus am Waldsee, Berlin, in der KunsthalleNürnberg, der Kunsthalle Schirn in Frankfurt/M. sowie anlässlich der Verleihung des Hectorpreises 2015 in der Kunsthalle Mannheim ausgerichtet. Im Dezember 2017 wird sie am YUZ Museum, Shanghai, China eine Einzelausstellung eröffnen. Ihre Arbeiten befinden sich in internationalen privaten und öffentlichen Sammlungen.